Restless legs

Was hilft wirklich bei RLS?

Zur Behandlung des Syndroms der unruhigen Beine, dem Restless Legs Syndrom (RLS) kursieren im Internet viele Mythen. Die gute Nachricht: Mittlerweile gibt es gute Medikamente, die man sich von seinem Neurologen gegen das abendliche Kribbeln, Brennen, Ziehen, Zerren oder Bewegungsdrang in den Beinen verschreiben lassen kann. Doch viele Patienten wissen nicht, dass sie mit einer Reihe von einfachen Mitteln die Beschwerden zumindest lindern, wenn nicht sogar ganz zum Verschwinden bringen können.

1. Eisen, Eisen, Eisen!

Etwa die Hälfte der Menschen die an den ruhelosen Beinen leiden hat einen niedrigen Eisenspiegel. Eisen ist elementar für die körpereigene Produktion des Nervenbotenstoffs Dopamin, der bei der Krankheit vermindert ausgeschüttet wird und zu den Missempfindungen führt. Lassen Sie daher unbedingt ihren Ferritin-Wert (Eisenspeicher-Wert) im Blut untersuchen, auch wenn ihr Serum-Eisen (freies Eisen im Blut) Wert unauffällig ist. Weisen Sie ihren Arzt explizit auf den Test des Ferritin-Wertes hin, denn dies ist keine Standard-Untersuchung. Der Eisenwert ist der einfachste und sicherste Weg auf natürlichem Weg die Beschwerden zu mindern und zum Verschwinden zu bringen.
Ihr Ferritin-Wert sollte mindestens bei 50µg/l liegen. Bis zu einem Wert von 75µg/l sollten Sie über die Ernährung ihren Eisenspiegel erhöhen. Wichtig: Eisenreiche Nahrungsmittel oder Tabletten immer zusammen mit Vitamin-C (Obst!) zu sich nehmen, sonst kann der Körper das Eisen nicht gut aufnehmen. Erwarten Sie keine allzu rasche Verbesserung, denn der Körper kann jeden Tag leider nur sehr wenig Eisen aufnehmen. Es kann daher durchaus mehrere Monate brauchen, ihren Eisenspiegel mit Ernährung und Eisenpräparaten zu normalisieren. Sollte sich ihr Ferritin-Wert trotz Eisentabletten und Ernährung nicht verbessern, helfen schnell Eisen-Infusionen (beim Arzt) die Eisenspeicher des Körpers wieder aufzufüllen.

2. Schnarchen behandeln

Sie leiden unter restless legs und Schnarchen zudem in der Nacht? Dann behandeln Sie ihr Schnarchen, insbesondere, wenn es von gelegentlichen Atemaussetzen (Schlaf-Apnoe) begleitet ist. Schnarchen stört ihren Schlaf erheblich und führt damit häufig erst zum Auftreten der restless legs Symptome oder den periodischen Beinbewegungen nachts im Bett. Wenn Sie ihr Schnarchen mit einer CPAP-Maske oder einer Unterkieferprotrusionsschiene behandeln, lassen die Beschwerden der Ruhelosen Beine nach!

3. Medikamente überprüfen

Viele Medikamente, insbesondere Antidepressiva können restless legs erst auslösen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass ihre Beschwerden nach dem Beginn einer medikamentösen Therapie zugenommen oder erst begonnen haben, sprechen Sie mit ihrem Arzt darüber! Insbesondere Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), die einen Gegenspieler des Dopamins verstärken, können ihre Beschwerden erst auslösen. Ob ihr Medikament restless legs ausläsen kann können Sie einfach herausfinden: Geben Sie den Namen ihres Medikamentes und ‚restless legs‘ bei google in die Suchmaske ein.
Folgende Medikamente können ein RLS verschlechtern oder erstmalig auftreten lassen: Cimetidin, Citalopram, Clozapin, Flunarizin, Fluoxetin, Haloperidol, Interferon-alpha, Koffein, Lithium, L-Thyroxin, Methsuximid, Mianserin, Mirtazipin, Östrogen, Olanzapin, Paroxetin, Phenytoin, Quetiapin, Risperidon, Saccharine, Sertralin, Simvastatin

4. Ernährung

Zwei von drei restless-legs-Patienten haben eine gestörte Darmflora, einer sogenannte Dysbiose. Möglicherweise führt eine Störung der Darmflora zu einer gestörten Aufnahme des Eisens, welches für die Produktion des Dopamins essentiell ist. Ein Versuch mit Probiotika (lebenden Bakterien) ist es wert! Essen Sie dafür morgens ein paar Löffelchen Natur-Jogurt oder kaufen sie sich Bifido-Bakterien in Tablettenform in ihrem Drogerie-Markt. Erwarten Sie keine Wunder innerhalb von ein paar Tagen. Es braucht Wochen bis sich ihre Darmflora mit Bifido-Bakterien oder Jogurt verbessert und Monate bis sich ihre Eisenspeicher im Körper über die Ernährung aufgefüllt haben, denn der Körper kann jeden Tagen nur sehr wenig Eisen auf einmal aufnehmen.

5. Diabetes und Nierenprobleme behandeln

RLS tritt häufig infolge einer Zuckerkrankheit (Diabetes) und vor allem bei Nierenproblemen auf. Sollten Sie unter Diabetes leiden, versuchen Sie vollkommen auf Zucker und Süßstoffe zu verzichten und suchen Sie einen Ernährungsberater auf!

6. Kaffee, Tee, Rotwein

Kaffee, Tee (auch Eistee!) und Rotwein enthalten Gerbsäuren, diese hemmen die Eisenaufnahme und damit die Dopaminproduktion. Das Koffein aus Kaffee und Tee bleibt sehr lange in unserem Körper: Erst nach 6 Stunden ist die Hälfte abgebaut. Wenn Sie also um 17 Uhr zwei Tassen Kaffee oder Tee getrunken haben, dann ist es genauso wie als wenn Sie um 23 Uhr eine Tasse vor dem Einschlafen trinken würden! Koffein verstärkt nachweislich die Symptome und verlangsamt das Einschlafen.
Rotwein enthält nicht nur Gerbsäuren, sondern auch Alkohol. Dieser verkürzt zwar zunächst die Einschlafzeit, lässt sie aber vermehrt Schnarchen (siehe oben) und in der zweiten Nachthälfte häufiger aufwachen… und wieder schlechter einschlafen. Ein Verzicht auf Koffein und Alkohol ab dem Nachmittag kann Wunder wirken!

7. Richtige Schlafroutine

Was macht man wenn man schlecht geschlafen hat? Man legt sich mittags nochmal hin. Da bei restless legs Betroffenen die Beschwerden meist erst abends auftreten, gelingt das Mittagsschläfchen ungestört. Doch schlafen wir Mittags zu lange (über 15 Minuten) bauen wir Schlafdruck ab. Wir schlafen vor und somit schlafen wir abends erst später ein. Unser Schlaf wird zudem leichter. Wir wachen häufiger nachts auf und werden die unruhigen Beine oder das Zucken der Beine nachts häufiger spüren. Man leidet stärker unter den Beschwerden, schläft schlechter und schläft am nächsten Nachmittag noch länger. Ein Teufelskreis. Also ist es ratsam den Schlaf tagsüber auf ein kurzes Powernap von maximal 15 Minuten Länge zu begrenzen.

7. Vitamin B12 und Folsäure

Auch diese beiden Vitamine sind über Umwege an der Produktion des zentralen Nervenbotenstoffs Dopamin beteiligt. Vitamin B12 steckt verstärkt in tierischen Lebensmitteln wie Eiern. Es gibt von beiden Stoffen aber auch Nahrungsergänzungsmittel, die sie täglich unbedenklich einnehmen können. Bei Vitamin B12 empfiehlt es sich gleich ein B-Vitamin-Komplex Präparat einzunehmen, da die unterschiedlichen B-Vitamine miteinander in Wechselwirkung stehen und einander brauchen.

8. Sport und Bewegung

Leichter Sport ist gut für Durchblutung und fördert den Stoffwechsel. Eine gute Durchblutung ist essentiell dafür, dass Eisen und B-Vitamine an die richtigen Orte ihres Körpers transportiert werden und das in den Nervenzellen Dopamin produziert werden kann (Stoffwechsel). Wenn viele Stoffe gewechselt werden, werden wir müde. Also sorgt Sport auch für einen guten Schlaf. Aber bitte nicht übertreiben! Bei zu viel Sport (ganztägigem Wandern) wird tagsüber zu viel Dopamin ausgeschüttet, die Depots des Botenstoffs Dopamin sind abends leer und sie werden mit starken Beschwerden zu kämpfen haben. Daher Sport am besten morgens und nicht abends vor dem Schlafen! Hier eignet sich vor allem morgendliches Spazierengehen, Nordic Walking, Yoga, Tai-Chi im Sonnenlicht für 30 Minuten. Das morgendliche Sonnenlicht beugt auch einer depressiven Verstimmung aufgrund eines gestörten Schlafes vor. Also: Morgens Spazierengehen, damit Sie nicht abends um den Küchentisch spazieren gehen müssen!

9. Kälte

Viele RLS-Patienten tun instinktiv das Richtige zur Beschwerdelinderung. Sie laufen auf kalten Fliesen, nassem Rasen, sie duschen ihre Füße kalt ab, nutzen Kneipsocken, kühlende Gele. Alles sehr gut und zu empfehlen, denn durch den Kältereiz wird vermehrt Dopamin ausgeschüttet und die Symptome verschwinden für eine Zeit. Allein von Franz-Branntwein ist abzuraten. Durch den Alkohol trocknet er die Haut aus. Besser sind spezielle kühlende Gele aus dem Drogeriemarkt.
Auch die Behandlung in einer Kältekammer scheint sich positiv auf die Beschwerden auszuwirken. Ob ihre Krankenkasse die Kosten übernimmt oder ihnen die mehrere hundert Euro teure Behandlung einen Versuch wert ist, müssen Sie selbst entscheiden.

10. Physiotherapie

Die unruhigen Beine können auch auf verspannte Muskeln in den unteren Rückenbereich und dadurch schlecht versorgte Nerven in den unteren Rückenmarkssegmenten zurück gehen. Werden durch die Verspannung die Nerven nicht gut mit Nährstoffen versorgt, wird weniger Dopamin ausgeschüttet. Physiotherapie genau wie regelmäßiger leichter Sport kann daher durchaus zu einer Linderung, mitunter sogar zum Verschwinden der Beschwerden führen.

11. Druckwellentherapie

Eine Druckwellentherapie für den Bereich der unteren Rückenmarkssegmente kann erfolgreich sein, wenn sich dort Verspannungen befinden. Diese Therapieform ist noch nicht ausreichend untersucht und relativ teuer. Ich würde zunächst zu Sport und klassischer Physiotherapie raten.

12. Massage, Massagematte fürs Bett

Das Massieren der Beine, stimuliert die Nerven und führt zu einer vermehrten Ausschüttung des Dopamins in den unteren Rückenmarkssegmenten. Es ist daher eine wirklich gute sanfte und akute Maßnahme. Auch eine Massagematte im Bett, die bei Bedarf angeschaltet werden kann, kann daher sehr hilfreich sein.

13. Medikamente

Erst wenn Sie alle obigen Schritte getestet haben, dann greifen Sie zu Medikamenten. Es ist wirklich Quatsch zu Dopamin-Medikamenten zu greifen, wenn ihre Eisenwerte am Boden sind, sie gleichzeitig Schnarchen, mit Diabetes kämpfen und jegliche Bewegung meiden. Denn auch die medikamentöse Behandlung kann durch Gewöhnungseffekte an ihre Grenzen kommen. Je weniger sie auf Medikamente angewiesen sind, weil Sie mit ihrem Lebensstil alles dazu beitragen die Ursache der Krankheit (zu niedrige Dopaminproduktion in einem bestimmten Nervenzelltyp) zu lindern, desto besser werden Sie mit ihrer Krankheit leben können, vor allem ohne die Nebenwirkungen der Medikamente!

Die Behandlung mit L-DOPA (Restex, Madopar)

L-DOPA eignet sich nicht zur kontinuierlichen Einnahme da eine große Gefahr der Augmentation besteht (Verstärkung der Beschwerden bei zu hoher Medikamentendosis). Diese Medikamente eignen sich jedoch sehr gut für eine intermittierende, unterstützende Einnahme. Schnelle Beschwerdelinderung erreichen Sie nur mit nicht-retardiertem L-DOPA (Standard) am besten zerkaut, oder mit einer löslichen L-DOPA Tablette. Am besten wirksam, wenn 30-90 min nach der Mahlzeit eingenommen!
Einnahmeempfehlung bei täglich auftretenden RLS (Abends und nachts): Abends eine L-DOPA-Standard-Tablette einnehmen, wenn man zur Ruhe kommt. Beim Bettgehen eine zweite L-DOPA-Standard-Tablette gleichzeitig mit einer L-DOPA-retard-Tablette (Verlängerte Wirkdauer laut kontrollierter Studie). L-DOPA nicht mit eiweißreichen Speisen (Fleisch, Bohnen, Fisch) einnehmen. Entweder 30 min vor oder 90 min nach einer Mahlzeit einnehmen. L-DOPA Behandlung sollte immer auf niedrigsten wirksamen Dosisniveau erfolgen. Also mit wenig beginnen und langsam steigern bis gerade eine Wirkung erreicht ist. Niemals mehr als 300-400 mg pro Tag einnehmen!!!
Sollten Sie auch tagsüber Beschwerden haben: Dosisteilung mit morgendlicher und abendlicher Gabe um möglichst kontinuierliche Stimulation durch das Medikament zu erreichen.

Behandlung mit Dopamin-Agonisten (Sifrol, Adartrel, Neupro, Rotigotin)

Diese Medikamente müssen zu Beginn der Behandlung langsam aufdosiert, das heißt über einen Zeitraum von mehreren Wochen langsam gesteigert werden, vor allem um Übelkeit zu verhindern.
Mit diesen Medikamenten wird der Dopaminspiegel ihres Körpers dauerhaft angehoben. Eine dauerhafte, gewissenhafte und gleichmäßige Aufnahme ist daher entscheidend! Diese Medikamente eignen sich nicht zur schnellen kurzfristigen akuten Behandlung von Beschwerden.
Eine Behandlung der Übelkeit, die diese Medikamente auslösen können, kann mit Domperidon (3x täglich 10-20mg) erfolgen. Im Gegensatz dazu kann eine Behandlung der Übelkeit mit Metaclopramid die Symptome massiv verstärken und eignet sich nicht zur Behandlung bei RLS Patienten!

Behandlung mit Opiaten (Targin…)

Erst wenn eine Behandlung nach allen vorangegangenen Schritten nicht ausreicht bietet sich eine Behandlung mit Opiaten an.  Sie muss sehr gut von einem betreuenden Arzt überwacht werden.